Morgens um halb sieben. Aufstehen, ins Bad schleppen, dann ab in die Küche auf einen Kaffee. Da piepst es schon das erste Mal: 10 neue Mails seit letzter Nacht um 0:30 Uhr. Eigentlich wollte ich doch noch einen Blick in die Tageszeitung werfen – ich kenn mich ja gar nicht mehr aus im Weltgeschehen! Meinem allgemeinen Wohnungschaos werde ich auch schon lange nicht mehr Herr, man findet ja nichts mehr. Aber gestern Abend zwischen Geschäftsessen, letzten Mails lesen und nebenbei noch am Geschäftsbericht basteln, blieb dafür wieder mal keine Zeit. Und die Familie würde eigentlich auch gerne mal wieder mehr Zeit mit mir verbringen – aber alles geht nicht – ich lauf schon auf mindestens 150 Prozent!
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Das ist leider Alltag heutzutage. Die chronische Zeitnot unserer modernen Welt macht uns zu hektischen, unausgeglichenen Menschen. Ständig im Einsatz mittels E-Mails, Mobiltelefon, Facebook, etc. können wir uns den Luxus der Achtsamkeit und Tiefe im Umgang mit unseren Mitmenschen nicht mehr leisten. Doch genau das ist uns Menschen ein Grundbedürfnis. Das Streben nach persönlichem Glück und tiefgreifenden Beziehungen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Und genau auf dieses Pferd setzen nun auch viele Tourismuswerber.
Aber was ist das eigentlich „Glück“?
Jeglicher Versuch einer allgemeingültigen, wissenschaftlichen Definition ist bisher fehlgeschlagen – es handelt sich nämlich um ein höchst individuelles Gefühl. Es wird rein physisch durch das Vorhandensein diverser Botenstoffe hervorgerufen. Ob und in welchem Maße wir auf diese Botenstoffe in unserem Körper zurückgreifen können hängt eng mit unserer individuellen, genetischen Ausrüstung, den Eigenheiten der individuellen Hirnentwicklung (prä- und postnatal), sowie den persönlichen Erfahrungen und psychosozialen Einflüssen zusammen. Also nicht sehr vielen Faktoren, die wir als Tourismuswerber beeinflussen könnten.
Möchten wir aber unseren Urlaubsgästen das Glück auf Erden ein wenig näher bringen, so müssen wir uns erst einmal im Klaren darüber sein, über welche Form des Glücks wir reden. Glück reicht vom „zukünftig zu erwartenden Glück“ über das „momentan empfundene Glück“ bis hin zu einer „zeitlich überdauernden Grundgestimmtheit“. Letzteres können wir unseren Urlaubsgästen nicht bescheren – das sollten wir daher auch nicht versprechen. Schwer genug ist es schon ein „momentan empfundenes Glück“ zu erzeugen. Ist dies doch stark von der persönlichen Konstitution des Gastes abhängig – der eine ist schnell zufrieden zu stellen, bei dem anderen beißt man sich regelrecht die Zähne aus.
Die Hauptaufgabe ist es daher das „zu erwartende Glück“ in der Tourismuswerbung aufzugreifen. Die Universität Rotterdam bestätigt dies mit einem Forschungsergebnis, das besagt, dass das Glücksgefühl am stärksten vor dem Urlaub ist. Im Urlaub ist es bereits abgeschwächt und danach hält es kaum mehr als zwei Wochen an.
Doch wie genau löst man diese Form des Glücks aus?
Eigentlich ganz einfach: wir geben dem Menschen das zurück, was er am meisten vermisst – den Menschen! Durch unsere Fähigkeit der Empathie sind wir in der Lage Glücksmomente nachzuempfinden, die andere Menschen auf Bildern jeglicher Art (gemalt, fotografiert, bewegte Bilder) erleben. Man spricht hier auch vom spiegeln der Emotionen. Zeigen wir also dem Gast ein Bild von glücklichen Menschen vor Ort im Urlaub, so ist er in der Lage dieses Glück zu spiegeln und es (in leicht abgeschwächter Form) selbst zu erleben.
Aber Vorsicht! Der Mensch lässt sich nicht so leicht überlisten – gestellte Bilder werden schnell als solche erkannt. Der gewünschte Effekt der Spiegelung bleibt in Gänze aus. Authentizität ist also gefragt. Beliebte Motive sind z.B. staunende Kinderaugen, vertraute Gespräche zwischen Freunden und/oder Liebenden, harmonische Landschaften (keine Photoshop-Montagen), Vorfreude (z.B. kurz vor dem Sprung in einen herrlichen See).
In unseren Texten sollten wir dem Gast versprechen, dass er sich im Urlaub endlich mal all der kleinen Dinge widmen kann, die er sonst immer vernachlässigen muss. Vielleicht möchte ihr Gast gerne mal im Sommer Beeren sammeln gehen und unter Anleitung eine eigene Marmelade einkochen, die er mit nach Hause nehmen kann? Sparsam sollte man jedoch mit zu vielen Events sein – das kann schnell wieder das ungewünschte Gefühl von Stress auslösen. Das wichtigste Ziel, welches man in allen Texten und Bildern stets vor Augen haben sollte, ist das Herzeigen intakter, zwischenmenschlicher Beziehungen. Und natürlich das Versprechen genügend Zeit für diese zu haben.
Sommerglücksmomente
Die Österreich Werbung Deutschland widmet sich daher ausführlich den Sommerglücksmomenten. Mit authentischen Darstellungen faszinierender Landschaften, sowie der Begegnungsqualität zwischen Gast und Gastgeber soll den Gästen ein sinnstiftendes, „Glück erfahrbares“ Österreich gezeigt werden. Ziel soll es sein, Momente darzustellen, die frei nach Herrn Goethe so schön sind, dass sie verweilen mögen.
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