Am 3. und 4. Oktober hat die wichtigste B2B Fachmesse für die österreichische Kongress und Tagungswirtschaft zum achten Mal ihre Tore geöffnet. Über 1700 nationale und internationale Fachbesucher sowie Hosted Buyer aus 15 verschiedenen Ländern trafen sich in der Wiener Hofburg um an diesen zwei Tagen über die Kongress- und Tagungsdestination Österreichs zu diskutieren. Wer sind die Initiatoren dieser Messe? Das austrian business and convention network (abcn) der Österreich Werbung, Austrian Airlines, das Vienna Convention Büro, die Round Table Konferenz Hotels und das Austrian Convention Büro bilden die fünf Trägerorganisationen, die für die Organisation der access verantwortlich sind.
Einer der Hauptaufgaben von abcn, also auch von mir, war (ist) es, die internationalen Fachbesucher, die sogenannten „Hosted Buyer“, nach Österreich einzuladen. Aus 15 verschiedenen Ländern (DE, IT, FR, CH, CZ, SL, HR, ES, BE, NL, PL, RO, IN, AT, UK) wurden rund 230 potentielle Entscheidungsträger ausgewählt und durften am Hosted Buyer Programm teilnehmen. Viele der Hosted Buyer sind schon am Wochenende davor angereist, um sich auf den Pre-Touren in den Bundesländern neue Produkterfahrung anzueignen. Der Wettergott war uns an diesem Wochenende gnädig und hat somit auch dazu beigetragen, dass alle Teilnehmer ihre Zeit in Österreich in vollsten Zügen genießen konnten.
Die access academy, die während der beiden Messetage, interessante Fachvorträge angeboten hat, Stand in diesem Jahr im Zeichen der Veränderung. Hochkarätige Veranstaltungen zu den Themen „Kommunikations- und Konfliktmanagement“ sowie „Change Management“ boten einen informativen Ausgleich zum sonstigen Messegeschehen.
Das Thema Nachhaltigkeit wurde auch in diesem Jahr wieder aktiv behandelt. Aktiv deshalb, weil die access zum zweiten Mal die Zertifizierung des Österreichischen Umweltzeichens „Green Meetings“ erhalten hat. Darauf sind wir sehr stolz und möchten hier als einer der Vorreiter agieren und ein Zeichen in der Branche setzen, damit dieses Thema im Bewusstsein der zahlreichen Veranstalter verankert wird, sodass in naher Zukunft noch mehr „Green Meetings“ abgehalten werden.
Wie sagt man so schön nach der access ist vor der access und somit sind wir schon wieder in den ersten Vorbereitungen für nächstes Jahr, wo die access dann zum neunten Mal ihre Tore öffnen wird.
Am 28. April gab es den Startschuss zur Aktion „Frühlingsstimmenwalzer“ in Warschau. Auf der klassizistischen Fassade der Polnischen Akademie der Wissenschaften, mitten in Warschau, tanzte Wien in Form eines Video Mappings zu den Klängen des Frühlingsstimmenwalzers und moderner Loungemusik, die eigens für diese Produktion von einem polnischen Musiker kreiert wurde. 12 Minuten dauerte ein Mapping mit bewegten Bildern und zeigte Schönbrunn, den Klimt-Kuss, die Spanische Hofreitschule, das Wiener Kaffeehaus und andere Wiener Impressionen.
Zwischen 700 und 1000 Menschen bewunderten über zwei Wochen lang täglich die innovativen Vorführungen. Die Mund zu Mund Propaganda ließ viele neugierige Warschauer zur Fassade pilgern, Busse und Taxis fuhren langsamer, Spaziergänger blieben stehen, junge Leute warteten geduldig sitzend vor der Fassade und es wurde heftig fotografiert und gefilmt. Unzählige kleine Videos landeten so im social web.
Beworben wurde die Aktion hauptsächlich online. Zusätzlich konnte im 1. Staatlichen Radioprogramm eine 3-Stunden Wiensendung unter dem Titel „Die 4 Jahreszeiten“ gebucht werden. Etwa 100 Gäste aus der Medien- und Reiseveranstalterbranche folgten der Einladung zum Wienabend und zur Premiere der Videomapping Aktion und zeigten sich begeistert.
Das Madrider Unternehmen PadInTheCity bietet Stadtreisenden an, tageweise iPads zu mieten, die mit einer Reihe von Reise-Applikationen und 3G ausgestattet sind. Die iPads müssen vorab online bestellt und per PayPal oder Kreditkarte bezahlt werden. Die Miete für die Geräte kostet 39 Euro pro Tag. Dafür erhalten die Madrid-Besucher eine Datenflatrate über 3G und iPad-Apps wie “Metro Madrid”, “Lonely Planet Madrid” oder “iSpain”. Die iPads werden zu dem Kunden geliefert und wieder abgeholt. Eine Kaution in Höhe von 390 Euro sorgt dafür, dass das iPad zu seinem regulären Besitzer zurückkehrt.
Quelle: EXECUTIVE TRAVEL TRENDREPORT 5/2011 von trendne
In Österreich bietet z.B. die Firma skill3d ein ähnliches Service: “Mobile Concierge” ist eine mobile Anwendung für Tablets, die Gästen eine Reihe von bequemen Möglichkeiten eröffnet: mehrsprachig, mobiler Reiseführer mit Tipps für Sehenswürdigkeiten, Wanderrouten und kulinarische Angebote …
Kevin May ist Gründer und Herausgeber der Online-Plattform Tnooz, die sich als AnbietervonNachrichten,Analysen undKommentaren zum Thema eTourisms versteht.
Als Branchenkenner haben wir ihn zum Thema Video- und Bewegtbild im Tourismus sowie nach seiner Einschätzung zum Verhältnis von Suchmaschinen und Social Media gefragt:
Ein Gastbeitrag von Markus Wiesenhofer, International Market Management, Österreich Werbung
Moderiert von Prof. Dr. Klaus Pechlaner (Kath.-Univ. Eichstätt) gaben Klaus-Dieter Koch (Brand:Trust) und Ariane Ehrat (Engadin-St. Moritz) einen Einblick in das Markenmanagement von Alpenregionen. Koch stellte die Markenstudie von Brand:Trust vor. Darin wurden die 40 attraktivsten Wintersportgebiete in Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol analysiert.
Wie Koch ausführte, sind Marken wie ein Eisberg zu sehen: Der häufigste Fehler ist, dass alle bei den sichtbaren Aspekten verändern (Logo, Werbemittel etc.) und es bei Oberflächenmanagement bleibt. Dieser Ansatz ist jedoch nicht erfolgreich, da die Ursachen nicht erkannt werden. Unter der Oberfläche befinden sich die wesentlichen Faktoren im Markenmanagement. Es geht um Spitzenleistungen einer Destination und um die Frage: „Was können wir besser als andere?“
Der Brand:Trust Performance Monitor ist eine Portfolioanalyse, die Marken nach ihrer Bekanntheit und Begehrlichkeit positioniert. Dabei gibt es No Brands, In-Brands, Out-Brands und Star Brands. Ehrat berichtete aus der Markenpraxis einer erfolgreichen Tourismusregion: Im Zusammenschluss der 12 Engadiner Orte plus Starbrand St. Moritz war der Markenbildungsprozess entscheidend. Koch ergänzt, das Menschen grundsätzlich eine einfache und sichere Kaufentscheidung wollen und Marken müssen dies leisten. Wichtig ist es, neben der Bekanntheit, auch Begehrlichkeit auszulösen. Koch hat Maßnahmen dazu in seinem Buch „Was Marken unwiderstehlich macht – 101 Wege zur Begehrlichkeit“ aufgezeigt.
Markenbotschafterin Christina Guidon vom Engadiner Sommerlauf
Die größte Hürde im Markenprozess sind die Bewohner einer Destination (vom touristischen Leistungsträger bis zu den lokalen Bewohnern). Marken wachsen immer von innen heraus. Die Menschen müssen mitgenommen werden. Der Prozess beginnt bei den Bewohnern, wie Ehrat aus eigener Erfahrung ergänzt. Dzt. gibt es 80 Markenbotschafter im Engadin (vom Liftwart zur Verkäuferin) und bis zu 300 sind geplant. Diese sind wichtige Multiplikatoren der Marke.
Koch appelliert nochmals, nicht mehr „alles für alle anzubieten“ und erinnert an den Ursache/Wirkungs-Zusammenhang: Wenn man alle für alles anbietet, dann sind auch alle der Wettbewerb. Wenn man aber das richtig Gute für eine bestimmte Zielgruppe anbietet, dann sind es auch nur wenige, bestimmte Mitbewerber.
Ein Gastbeitrag von Markus Wiesenhofer, International Market Management, Österreich Werbung
Der neuseeländische Universitätsprofessor Ian Yeoman (www.etfi.eu) nahm die Teilnehmer des ITB Marketing & Distribution Days mit auf eine Reise in die Tourismuszukunft. Die drei wesentlichen Faktoren, die die Zukunft der Welt beeinflussen werden, treiben auch den Tourismus an:
Wohlstand
Ressourcen und
Technologie.
Layar-App
Ja, das Wachstum kommt aus Asien. Aber nein, der Wohlstand wird nicht unbedingt gleichmäßiger verteilt. Die neuen/jungen Märkte sind vor allem in Indien und Brasilien zu finden. Die europäischen Märkte altern rapide – soweit altbekannte demografische Entwicklungen. Die offenen Münder im Publikum entstanden dann jedoch bei der Vorstellung von neuen hochtechnologischen Entwicklungen, die schon bald auch den Tourismus maßgeblich beeinflussen werden: Gestural interfaces, Besucherzentren mit Robotern (Banco Santander), Hologramme (japanisches Popkonzert) und den Brillen und Kontaktlinsen mit “augmented reality-Funktionen”. Yeoman spannte den Bogen weiters über viele Facetten des gesellschaftlichen Wandels und wie Experience Economy, Fluid Identity und dem Spannungsfeld zwischen Materialismus und der Balance zwischen Fortschritt und Ökologie.
Fazit trotz allem technischen Fortschritts: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt und die Marke wird wichtiger denn je. Zum Abschluss gab uns Prof. Yeoman noch einen Tipp mit: Die gelungene Marketingkampagne von Südkorea Tourismus, die einige der erwähnten Strömungen bereits jetzt mit Storytelling intelligent verbindet: „An extraordinary journey“: www.haru2010.com
Ein Gastbeitrag von Markus Wiesenhofer, International Market Management
Aus Anlass der vergangenen Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen und der Kandidatur für die Olympischen Spiele 2018 in München thematisierte Bayern Tourismus in seiner Pressekonferenz das Thema Sportgroßveranstaltungen. Der bayrische Wirtschaftsminister Martin Zeil würdigte zu Beginn die sehr positive Entwicklung des Tourismus in Bayern in den letzten Jahren. Die Nächtigungen stiegen 2010 auf den Höchststand seit 2001 (+3,6 % ggü. 2009). Besonders starker Zuwachs wurde in Mittelfranken verzeichnet. Verstärkt wurde auch die Internationalisierung: 12,9% mehr ausländische Nächtigungen im Vorjahr (Niederlande, USA) bedeuten das bereits jetzt jede 5. Nächtigung in Deutschland auf Bayern entfällt.
Die Wintersportkompetenz wird in Bayern mit hoher architektonischer Qualität verbunden. Zeil nennt dazu nur zwei Initiativen als Beispiel:
Das Projekt „Sightsleeping“ des BayernTourismus bietet „Übernachten für Augenmenschen“ und gibt Bayern eine Vorreiterrolle bei ästhetisch anspruchsvollen Hotels.
Artouro, der bayrische Tourismusarchitekturpreis wird 2011 erstmalig und einmalig in Deutschland vergeben.
Für Sybille Wiedenmann von Bayern Tourismus ermöglichen „die Sportgroßveranstaltungen die Marke Bayern mit Leben zu erfüllen“. Die Weiterentwicklung der Sportstätten und der Infrastruktur bringen nicht nur für Spitzensportler Wettkampfstätten, von den massiven Investitionen profitieren auch Bewohner und Gäste. Einige Beispiele unterstreichen diese Entwicklung:
Massive Innovationen der touristischen Leistungsträger wurden dort dadurch initiert. (z.B. Renovierung und Ausbau von Hotels statt, TUI Dorfhotel 2014 geplant). Bayern Tourismus unterstützt diesen Aufschwung mittels umfangreicher Medienarbeit (starke Geschichten erzählen!). So wurden kürzlich 60h Stunden Fernsehmaterial produziert, und von über 1.000 Medien übernommen. Im Rahmen der Ski-WM kam die Medienalm mit KUKA (mit einem 4D-Simulationsroboter der z.B. einen Flug über die Zugspitze ermöglichte) zum Einsatz. Mit dem Projekt “Schneebayern“ wurden alle Wintersportangebote zusammengefasst. Wichtig ist hier für Wiedenmann der Beziehungsaufbau vor Ort d.h. die Gewinnung neuer Bayern-Botschafter. Dies gelingt zunehmend über die neuen Medien. Schon 25.000 Fans auf Facebook zeugen davon.
Charles McKee, VP International Canadian Tourist Commission gab einen smarten Rückblick auf die Erfahrung des kanadischen Tourismus mit den olympischen Winterspielen von Vancouver 2010. In wenigen Bildern berichtete er, wie Kanada von diesem Event langfristig profitieren konnte:
Market the Destination, not the Sport. (The Games will sell themselves.)
Start early with your brand – Canada keep exploring! (We need to make CAN a “now-destination”, so people need to go this year.)
Re-Imaging Canada
Your People are your brand.
Be ready to harvest the afterglow. (most important lesson of the games: the really heavy work begins after the games, heightened interest in destination)
McKee betonte, dass es nach den Winterspielen vor allem auf die “Conversion” ankam d.h. aus dem gesteigerten Interesse tatsächliche Buchungen zu machen. Über die erhöhte Aufmerksamkeit durch die Winterspiele und die dadurch sympathische Positionierung von Kanada konnte ein sehr hoher Impact und effizientere Werbewirkung erzielt werden.
Die Arbeit endet nicht nach dem Spielen. Im Gegenteil: Die Dynamik kann erst danach durch massive Werbeanstrengungen in Tourismuserfolgen umgesetzt werden.
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