Eine Welle der Klettersteig-Begeisterung schwappt derzeit durch die heimische Bergsportszene. Meine Kolleginnen in der ÖW Tourismusforschung haben das Urlaubsverhalten jener Gäste, die während ihres Aufenthalts Klettern gehen, unter die Lupe genommen. Rund 5% der Sommerurlauber gehen während ihres Aufenthalts Klettern. Der typische Kletterurlauber ist jünger als der Durchschnitt, männlich und kommt aus Deutschland. Er reist am liebsten mit seiner Familie.Mehr zur Kurzstudie lesen Sie hier.
Sicherheit am Klettersteig – Die 10 Empfehlungen des Alpenvereins
Angesichts dieses Strebens in die Vertikale gilt es jedoch auch, auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Mit den 10 Empfehlungen des Alpenvereins sollen die Risiken auf Klettersteigen vermindert werden. Bei unzureichender Vorbereitung, mangelhafter Ausrüstung oder falschem Verhalten besteht Absturzgefahr, qualifizierte TrainerInnen geben die notwendigen Fertigkeiten weiter: z.B. http://www.alpenverein-akademie.at
1. Sorgfältig planen.
Planung ist der Schlüssel für sichere und genussvolle Touren. Informiere dich genau über Schwierigkeit und Länge, Zu- und Abstieg, Wetter und Verhältnisse. Zu jedem Klettersteig gibt es übrigens Führerliteratur mit Topos (= Routenskizzen) – auch eine kurze Recherche im Internet bringt häufig wertvolle Treffer.
Infos zu Klettern auf dem Österreich-Urlaubsporal
App mit vielen Wander-, Mountainbike und Radrouten: iAustria Freizeitradar
2. Das Ziel den persönlichen Voraussetzungen anpassen.
Zu hoch gewählte Schwierigkeiten mindern das Erlebnis und können zu gefährlichen Situationen führen. Leidenschaft und Ehrgeiz sind gut und ohne sie würden wir nicht bergsteigen. Wozu wir aber angehalten sind, ist die richtige Balance zu finden – zwischen Wagnis- und Abenteuerlust einerseits und persönlichem Können, Fitness, Erfahrung und Ausbildungsstand andererseits. Drei Faktoren sind es im Wesentlichen, die beachtet werden müssen: die Schwierigkeit, die Länge und die Beschaffenheit des Zu- und Abstiegs.
3. Vollständige, normgerechte Ausrüstung verwenden.
Klettergurt, Klettersteigset und Helm: Nur die konsequente und richtige Anwendung der Ausrüstung ermöglicht eine sichere Begehung von Klettersteigen. Für den Notfall sind Erste-Hilfe-Paket und
Mobiltelefon (Euro-Notruf 112) dabei. Moderne Klettersteigsets sind anstelle von Bremsplatte und Bremsseil mit einem Bandfalldämpfer ausgestattet und bieten sowohl Sicherheit als auch Tragekomfort. Besonders wichtig für den Genuss am Klettersteig sind funktionelle Klettersteigkarabiner, die sich einfach bedienen lassen und die automatisch schließen. Schon beim Kauf sollte man kritisch prüfen, ob einem das Karabinermodell ‘liegt’ – man wird diesen Karabiner ja unter Umständen einige tausendmal ein- und aushängen! Ein Helm ist übrigens Standard, Klettersteighandschuhe ‘nice to have’.
4. Bei Gewittergefahr nicht einsteigen!
Blitzschlag bedeutet Lebensgefahr. Regen, Nässe und Kälte erhöhen das Sturzrisiko. Ein Klettersteig stellt immer auch einen überdimensionalen Blitzableiter dar. Den Wetterbericht bewusst auf Informationen zur Gewitterneigung befragen. Verzicht oder gute Zeitplanung sind dann die Optionen. Gewarnt sei auch noch vor der falschen Reaktion, in dem Fall, dass einen doch einmal Gewitter überrascht: Bleiben Sie mit dem Drahtseil verbunden! Die Absturzgefahr überragt die Blitzschlaggefahr.
5. Drahtseil und Verankerungen kritisch prüfen!
Steinschlag, Schneedruck, Frostsprengung oder Korrosion können Schäden an der Steiganlage verursachen. Nicht in gesperrte Klettersteige einsteigen. Jeder Klettersteig ist auch ein Weg im rechtlichen Sinn und hat einen ‘Wegehalter’, also jemanden, der für die Instandhaltung und für die eventuelle Sperre zuständig und verantwortlich ist. Das bedeutet – im Gegensatz zu Kletterrouten – dass wir auf geöffneten (!) Klettersteigen einen zeitgemäßen Sicherheitsstandard erwarten dürfen. Trotzdem: Ein kritisches Auge sollten wir dennoch bewahren.
6. Partnercheck am Einstieg.
Kontrolliert gegenseitig: Gurtverschluss, Verbindung Klettersteigset mit Klettergurt, Helm. Bevor es losgeht nützen wir das Vieraugenprinzip und kontrollieren gegenseitig unsere Sicherheitsvorkehrungen.
7. Ausreichende Abstände einhalten!
Zwischen zwei Fixpunkten darf nur eine Person unterwegs sein. Unsere derzeitige Sicherungstechnik auf Klettersteigen kann zwar den Absturz verhindern, nicht aber den freien Fall bis zur nächsten Verankerung. Und das können immerhin bis zu sechs Meter sein. Diese enorme Sturzenergie kann auch für einen zu knappen Nachsteiger gefährlich werden.
8. Klare Absprache beim Überholen.
Kommunikation und Rücksichtnahme verhindern gefährliche Situationen bei Überholmanövern oder Gegenverkehr. Ein überfüllter Klettersteig kann ein guter Grund sein, auf eine Begehung zu verzichten. Überholmanöver gehören jedenfalls abgesprochen und sind – besonnen und rücksichtsvoll – an dafür
geeigneten Stellen durchzuführen.
9. Achtung Steinschlag!
Achtsames Steigen verhindert Steinschlag. Diese Empfehlung ist noch einmal ein dringender Hinweis auf die
Sinnhaftigkeit eines Helms. Darüber hinaus wollen wir damit aber auch an eine saubere Bewegungs- bzw. Steigtechnik erinnern, um zu verhindern, dass wir selbst Steinschlag auslösen und damit Nachsteiger gefährden. Für Notfälle: Alpin-Notruf der Bergrettung 140
10. Natur und Umwelt respektieren.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder in Fahrgemeinschaften anreisen. Müll und Lärm vermeiden. Klettersteige erschließen Naturräume - es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir
Lärm und Müll vermeiden, Wild- und Weidetiere nicht beunruhigen und beim Zu- und Abstieg auf den angelegten Wegen bleiben. Ein Appell ist auch an unser Anreiseverhalten gerichtet: Fahrgemeinschaften sind gut, öffentliche Verkehrsmittel sind besser. z.B. Sparschiene der ÖBB
Literaturtipps:
Klettersteig – Sicherheit und Taktik auf Eisenwegen
(3. komplett überarbeitete Auflage 2012): Aussagekräftige Bilder und Illustrationen, kompakter Text – die Klettersteig-Lehrschrift des Alpenvereins informiert über Schwierigkeitsbewertung, Risikofaktoren, Planung, Ausrüstung und Klettersteigtechnik.
Erhältlich bei den Alpenvereinssektionen oder im OeAVshop
Klettersteigatlas Österreich
300 heimische Klettersteiganlagen, Verlag Kurt Schall, 2011
Tags: klettern, Marktforschung, Tourismusforschung

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