Ein Gastbeitrag von Markus Wiesenhofer, International Market Management, Österreich Werbung
Am Freitag nachmittag stand im ITB Convention Program der Städtetourismus im Blickpunkt. Die Tourismusdirektoren von Berlin, Wien und Stockholm berichteten über die Entwicklung in diesen Tourismusmetropolen, über ähnliche Herausforderungen aber auch Unterschiede. Burkhard Kieker/CEO von VisitBerlin erklärte den Erfolg von Berlin als Destination (und verglich Berlin sogar mit „Atlantis“, aufgetaucht aus der Versenkung) als Stadt des ewigen Wandels und Fokuspunkt der Geschichte. 60% der Besucher der Hauptstadt stammen noch immer aus Deutschland, obwohl die internationalen Märkte verstärkt im Fokus der Marktbearbeitung stehen. Die Top-4 der ausländischen Märkte sind derzeit Italien (und dies obwohl bisher vorwiegend nur Medienarbeit eingesetzt wurde), Großbritannien, Spanien und USA. Viele Gäste Berlins kommen heute hierher weil sie den spezifischen „Lebensstil“ erleben wollen. In Berlin trifft sich also nicht zur ITB die Welt.
Liveable City. Sustainable Quality of Life as Success Driver of Urban Branding
Andreas Reiter (ZTB) gab einen Überblick zu aktuellen Aspekten der Stadtentwicklung im Hinblick auf Freizeit- und Tourismuswirtschaft. Vor dem Hintergrund des steigenden Wettbewerbs- und Innovationsdruck stehen Städte in einem Wettbewerb um Talente, Investoren und Touristen. Dabei hilft integriertes Standortmarketing, wo Tourismus und Standortpolitik gemeinsam entwickelt werden.
Die 4 Erfolgsfaktoren der urbanen Erlebnisökonomie sind:
- Attractions
- Amentities
- Access
- Authenticity.
Auffällig ist für Reiter eine sog. „repetitive Produkt-Semantik“ d.h. eine weitestgehende Homogenisierung der Städte und kaum Differenzierung (z.B. City Beaches, keine markenkonforme Events). Gleichzeitig entstehen neue Kreativ-Touristen im Sinusmilieu „Postmaterielle“. Diese sind „Trüffelschweine der Exzellenz“, die sehr gut informiert und bestens vernetzt der Destination begegnen.
Die Key Values dieser Klasse sind: Inspiration, Self-Experience, Easy Going, Sustainability, Community.
Ökonomie und Ökologie wird verbunden. Die Entwicklung geht weg von creative cities hin zu “liveable cities“ mit hoher Lebensqualität für Bewohner und Besucher. Der Wohlstand einer Region wird künftig nicht nur monetär/wirtschaftlich sondern verstärkt über Softfaktoren bewertet („Beyond GDP discussion”). Weltweit wird ein neuer Fortschrittsindex diskutiert und bereits mancherorts komplementär zum BIP eingeführt. Die Lebensqualität dient als Grundmelodie eines holistischen Place Branding von der Strategie über das Urban Setting zur Kommunikation. Zu beachten ist dabei, die neue heimliche Leitwährung Zeit – „Maximum emotion in minimum time“. Die wachsende Gruppe der modernen Urbaniten sind Einheimische auf Zeit (z.B. couchsurfing oder www.lifelikealocal.com). Das „Greening“ der Städte leitet einen Paradigmenwechsel ein (von den Green Games of London 2012 zum enorm spannenden Projekt der Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen die von der Bjarke Ingels Group zu einer Wintersportdestination ausgebaut wird).
Tags: Innovation, ITB 2011, Städtetourismus, Zielgruppe, Zukunft



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