Einige Highlights aus der ITB-Podiumsdiskussion „Funktioniert Luxustourismus noch?“. Das Thema klingt zwar nach einem kleinen Segment, was es auch ist, aber einige Aussagen aus der Diskussion treffen meiner Ansicht nach auch für touristische Tendenzen in einem größeren Rahmen zu.
Es diskutierten Klaus Koch (CEO vom Markenconsultant Brandtrust und Moderator), Peter Hill (CEO von Oman Airways) und Hans Peter Holzinger (CEO vom Luxusreiseveranstalter Windrose). Das Publikum konnte per SMS Fragen an den Moderator schicken, der diese auf einem Monitor sah und einbauen konnte.Als Eingangsthese wurde formuliert, dass der Luxustourismus durch die Krise den Zenith überschritten hätte und das Segment in dieser Form nicht mehr funktioniert.
Quintessenz der Diskussion war, dass die Rückgänge 2009 im Luxussegment eine einmalige Situation darstellen. Das Luxussegment ist seit 30 Jahren kontinuierlich gestiegen und nach wie vor eines der resistentesten Bereiche. Die große Angst bei Luxustouristen über mögliche wirtschaftliche Verschlechterung der eigenen Situation sei vorbei. Windrose verbucht z.B. seit Jahresbeginn ein Plus von 9% nach Rückgängen im Vorjahr.
Der Reiseveranstalter verkauft Luxusurlaube nicht als Luxus, sondern als Lebensarttourismus. Er betrachtet Luxus als Genuss, Komfort, Dinge, die man genießen kann. Angebote werden demnach nicht als Luxus, sondern als Lebensart und Lifestyle verkauft. Ganz bewusst auch, um von dem gegenwärtig angeschlagenen Image von Luxus wegzukommen. In diesem Punkt hat die Krise doch auch ihre Spuren hinterlassen. Es zählen jetzt wieder mehr traditionelle Werte. Wichtig ist es, den Luxusgästen einen möglichst stressfreien Urlaub zu bieten. So werden z.B. Museumsführungen außerhalb der Besucherzeiten angeboten. Gourmetaspekte spielen neben den Sehenswürdigkeiten eine große Rolle.
Komfort und Stressfreiheit werden also noch wichtiger. Entschleunigung und Zeit sind der neue Luxus.
Ein anderer Punkt, der recht differenziert diskutiert wurde, war die Bedeutung von Ökotourismus im Luxussegment. Es wurde angemerkt, dass der Ökotourismus kaum eine Rolle spielt und auf absehbare Zeit auch keine Rolle spielen wird. Nachhaltigkeit sei zwar wichtig, aber nicht entscheidend für die Urlaubsentscheidung.
Ein Punkt der aus meiner eigenen Sicht bedeutsam in Bezug auf den Tourismus insgesamt ist, ist der Umstand, dass der Luxus von heute der Mainstream von morgen ist. Früher mag der Flat-TV im Hotel Luxus gewesen sein, heute ist es Standard. Das gilt für den gesamten Wellness-Bereich und es lassen sich noch tausende Beispiele bringen. D.h., dass man das Luxussegment auf jeden Fall in Bezug auf das eigene touristische Angebot der Zukunft beobachten sollte, selbst wenn man nicht in diesem Bereich nach Gästen fischt.
Tags: Diskussion, ITB, ITB 2010, Luxus


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