Hinterfragen wir doch Destinationen im Web!

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Reinhard Lanner, Tourismusdirektor der Salzburger Region Lammertal, hat in einem provokanten Artikel auf seinem Blog eine seit langem nötige Diskussion losgetreten: Haben Websites von Destinationen heute noch Relevanz? Und vor allem – morgen? Parallel dazu hat William Baker, E-Marketing-Chef von British Columbia und Gast-Referent aus “Übersee” bei der letzten e-Business Academy der European Travel Commission, einen Blog-Post zum selben Thema geschrieben und dabei die Metapher eines “Supermarktes” zur Beschreibung der Online-Präsenz von Destinationen im Jahr 2009 ins Spiel gebracht. Mein Kommentar zu diesem Artikel hier auch als Blog-Post:

Ehrlich betrachtet – beide haben Recht: gleichen touristische Websites 2009 – mit ihren „vielfältigen“ Angeboten, Lobeshymnen und Marketing-Texten – nicht eher realen Supermärkten mit all ihren Sonder-Angeboten, Kauf-jetzt-Ständern und 4000 Ladenhütern bei 4.500 Artikeln Sortimentstiefe? Ich meine aber nicht die kleinen Supermärkte für den Einkauf von nebenan, vielmehr sind Interspar, Big-Billa, Merkur-, Metro, XXXLutz’s, IKEA und andern Großmärkten doch beinharte Realität der touristischen Online-Praxis. Wie diese der User erlebt wird in den wenigsten Fällen dabei ins Kalkül gezogen. Abbruchraten von 70% gängige Praxis, 2-3 Seiten / Besuch Usus und durchschnittliche Verweildauer von 30 Sekunden durchwegs von allen akzeptierte Realität! Widerspricht jetzt jemand?

Nach intensiver Auseinander-Setzung mit Trends, Online-Entwicklungen und Beobachtung des User-Verhaltens potentieller Urlaubsgäste ergeben sich für mich 4 Varianten von DMO-Websites der Zukunft, wobei unter „Zukunftsforschung“ im Web ein längerer Betrachtungs-Horizont als 3 Jahre (also hier 2012) definitiv haltlose Spekulation wäre:

1. Online-Hub für Destinations-Content: Thomas Baekdal hat unlängst in seinem Blog von der Webstrategie 2010 geschrieben: The Website 2010 is not a Website. Reinhards Blogpost und auch Williams Meinung (www.wilhelmus.ca) bestätigen dies. TripAdvisor, Kayak, WAYN, Joobili, TripWolf, Expedia, YouTube, Twitter, Facebook & Co übernehmen ohnehin seit langem die Aufgaben von Destinationen zur Darstellung von Content einer Urlaubsregion. Das Beispiel Oberstaufen mit seinem genial-einfachen Link-Template zu Social Web-Präsenzen der Region Oberstaufen zeigt, dass es aber in jedem Fall daneben noch eine Minimal-Präsenz oder besser – einen „Online-Hub“ für Destinations-Content – braucht, über den der User entscheiden kann, welcher Content für seine Reise-Entscheidungen die höchste Relevanz hat

2. Nische statt Vielfalt & „Supermarkt“: Statt einer DMO-Website wird die Destination künftig multiple Webpräsenz durch mehrere Themen- oder AffinityGroup-Websites mit unterschiedlichen, streng abgegrenzten und untereinander nur minimal vernetzten Online-Inhalten umsetzen. Der Erfolgsfaktor sind „Geschichten“ die den Besuchern dieser Nischen-Websites aufgrund der hohen Affinität einen ebensolchen Mehrwert bieten. Diese Sites werden durch ihre exakte Spezialisierung und engen Zielgruppen/Millieu-Fokussierungen auch zu erfolgreichen Vertriebskanälen.

3. Online „Flagship-Stores“: Einige Destinationen mit hoher Bekanntheit/USP/Markenwert werden ähnlich dem „Flagship-Store“-Konzept großer Markenartikler a la Gucci, Versace, Diesel ganz abgehoben ohne Transaktions-Absicht innerhalb des Web-Erlebnis-Portals ihre Markenbotschaften in den Vordergrund stellen. Das Verkaufen übernehmen andere, weil die touristischen Produkte dieser Destinationen Selbstläufer sind und von Multiplikatoren daher gern und leicht vertrieben werden. Diese können auch zeitlich befristet sein, z.B. Film-Festival in Cannes, Neujahrs-Konzert / Lifeball-Erlebnis in Wien, Indian Summer in Canada …

4. Aggregation von relevanten Content der Destination. Dies ist der pragmatischte, nachhaltigste und heute sowohl

  • technisch (z.B. durch automatische Aggregation von XML-Daten via einer API) als auch
  • organisatorisch (Trip-Advisor, Tripsbytipps und andere bieten Destinationen heute schon Content-Widgets zur Platzierung von User Generated Content of Destinations-Seiten)

der am leichtesten vorstellbare Anwendungs- und Regelfall von Websites touristischer Destinationen in 3 Jahren. Deshalb ist dies auch der Grund warum wir Vordenker von der Österreich Werbung (Bitte um Nachsicht für dieses provokante Eigenlob) uns HEUTE schon für diesen Ansatz entschieden haben: der Plan ist als offizieller Online-Reiseführer für Österreich jeden relevanten, aktuellen Content den es im Web zu Urlaub in Österreich gibt, zu aggregieren. Entscheidend – Landessprache. Ebenso – kontextuelle Platzierung und geschickte, durchdachte, unterschiedliche Darstellung entlang der „Customer Journey“ eines (potentiellen) Gastes in ebenso unterschiedlichen Phasen seiner Reiseplanung.

@Reinhard: Danke wieder einmal für deinen Mut dieses Thema als Touristiker anzugreifen und sich selbst – also die Sinnhaftigkeit einer Destinations-Präsenz im Web – zu hinterfragen! Gratulation.

@an alle lieben KollegInnen: Machen wir es ihm nach.



 Österreich Werbung am 07.11.2009